Tauche ein in die wilde, ungezähmte Ära des West-Berliner Punks mit der legendären Dokumentation „So war das S.O. 36“. Dieser Blogpost nimmt dich mit auf eine Zeitreise in den ikonischen Kreuzberger Club, der in den frühen 80ern zum Epizentrum der Subkultur wurde. Erfahre mehr über die Entstehung des Films, die prägenden Persönlichkeiten und Bands, die das SO36 zu einer Legende machten, und wie dieser Ort bis heute den Geist der Freiheit und Rebellion in sich trägt.
Stell dir vor, du stehst mitten in Kreuzberg, Oranienstraße 190, im Jahr 1980. Die Luft ist dick von Zigarettenrauch und dem Geruch von Bier, die Wände vibrieren im Takt einer dröhnenden Gitarre, und um dich herum tanzen Menschen, als gäbe es kein Morgen. Hier, in diesem Schmelztiegel aus Anarchie und Kunst, schlug das Herz der West-Berliner Subkultur: das SO36. Es war mehr als nur ein Club; es war ein Zufluchtsort, ein Experimentierfeld, eine laute Antwort auf die Enge der geteilten Stadt. Und mittendrin, mit Kameras und Mikrofonen bewaffnet, waren Filmemacher, die diesen einzigartigen Puls für die Ewigkeit festhalten wollten. Ihre Arbeit gipfelte in einem Film, der bis heute als authentisches Zeugnis dieser wilden Jahre gilt: „So war das S.O. 36“. Lass uns gemeinsam eintauchen in die Neuigkeiten zu ‚Clubs im Kino: Szenen aus dem SO36‘ und entdecken, was diesen Ort und diesen Film so unsterblich macht.
Key Facts zu „So war das S.O. 36“ und dem SO36
- Name und Herkunft: Das SO36 ist ein Musikclub in der Oranienstraße 190 in Berlin-Kreuzberg und verdankt seinen Namen dem historischen Postzustellbezirk Berlin SO 36 (Südost 36).
- Gründung als Veranstaltungsort: Als solcher nahm das SO36 seinen Betrieb am 11./12. August 1978 mit dem zweitägigen „Mauerbaufestival“ auf, einem ironischen Gedenken an den Bau der Berliner Mauer.
- Zentrum der Subkultur: Der Club entwickelte sich schnell zum pivotalen Knotenpunkt der Punk- und New-Wave-Bewegungen in West-Berlin und beeinflusste deutsche Genres wie die Neue Deutsche Welle und Deutschpunk.
- Prominente Besucher: Während ihrer Berliner Jahre zwischen 1976 und 1978 waren David Bowie und Iggy Pop bekanntermaßen im SO36 zu Gast und tauchten in das Underground-Nachtleben der Stadt ein.
- Der Film „So war das S.O. 36“: Dieser deutsche Dokumentarfilm von Manfred O. Jelinski und Jörg Buttgereit aus dem Jahr 1984 beleuchtet die Zeit von 1980 bis 1984 im SO36 mit Konzertausschnitten und Interviews.
- Film-Premiere: Der Film wurde am 6. Oktober 1984 im Berliner Front-Kino uraufgeführt und feierte seine Festivalpremiere 1985 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin.
- Bedeutende Bands im Film: Der Dokumentarfilm zeigt Auftritte von Größen des Berliner Undergrounds der frühen 80er Jahre, darunter Beton Combo, Die Einstürzenden Neubauten, Die Tödliche Doris, Der wahre Heino und Malaria!.
- Heutiger Status: Das SO36 ist bis heute eine aktive und einflussreiche Location in der Oranienstraße und bleibt ein Zentrum für Berlins alternative Musik und Gegenkultur.
Der Puls der Insel: West-Berlins subkulturelles Herz
West-Berlin in den 80ern war eine Insel, umgeben von der Mauer, ein Rückzugsort für all jene, die sich nicht anpassten, die nach Freiheit und Ausdruck suchten. Kreuzberg, mit seiner erschwinglichen Miete und seiner linken, alternativen Szene, wurde zum Magneten für Künstler, Punks und Außenseiter. Und im Herzen dieses Bezirks, in der Oranienstraße, entstand ein Ort, der zum Synonym für diese rebellische Energie werden sollte: das SO36. Es war ein Ort, an dem die Regeln der bürgerlichen Gesellschaft an der Tür abgegeben wurden, wo Kreativität in roher Form explodierte und wo jede Nacht ein neues Kapitel der Subkultur geschrieben wurde. Hier trafen sich die Punks, die New Waver, die Künstler und die Träumer, um gemeinsam zu feiern, zu diskutieren und zu protestieren. Die Wände des Clubs, gezeichnet von unzähligen Nächten voller Bier, Schweiß und Lärm, hätten Bücher füllen können – und taten es auch, wie der Bildband „SO36: 1978 bis heute“ zeigt.
Die Atmosphäre war elektrisierend, eine Mischung aus Chaos und purer Lebenslust. Es war die Zeit, in der Ikonen wie David Bowie und Iggy Pop durch die Berliner Nächte streiften und sich im SO36 in die Underground-Szene stürzten, auf der Suche nach Inspiration und dem echten, unverfälschten Puls der Stadt. Das SO36 war der Ort, an dem die Grenzen zwischen Kunst, Musik und Leben verschwammen, wo jede Performance ein Statement und jeder Abend ein unvergessliches Erlebnis war. Es war ein Freiraum, der die Entwicklung von Genres wie der Neuen Deutschen Welle und dem Deutschpunk maßgeblich prägte und dem Club Vergleiche mit New Yorks legendärem CBGB einbrachte.
„So war das S.O. 36“ – Ein filmisches Zeitdokument
Inmitten dieses brodelnden Kessels aus Energie und Expression entstand ein Film, der diese einzigartige Ära für die Nachwelt bewahren sollte: „So war das S.O. 36“. Die Dokumentation von Manfred O. Jelinski und Jörg Buttgereit, die zwischen 1980 und 1984 gedreht wurde, ist weit mehr als nur eine Aneinanderreihung von Konzertausschnitten. Sie ist ein tiefgründiger Einblick in die Seele eines Clubs und einer ganzen Generation. Der Film fängt die raue Ästhetik des Punks ein, die Körnigkeit des Super-8-Filmmaterials, die fliegenden Bierbüchsen und den verdunsteten Schweiß, der die Luft erfüllte. Er transportiert die authentische Geräuschkulisse erbitterter Fans und die unverfälschte Energie der Auftritte.
Die Regisseure schufen eine Hommage an den berühmtesten Punk-Schuppen seiner Zeit, angereichert mit Interviews von Zeitzeugen – den damaligen türkischstämmigen Betreibern, Besuchern und Musikern. Man sieht die Beton Combo, die Einstürzenden Neubauten, Die Tödliche Doris, Der wahre Heino und Malaria! – Bands, die den Sound West-Berlins prägten und die Grenzen des musikalisch Machbaren ausloteten. Besonders hervorzuheben sind auch die frühen Auftritte von Soilent Grün, der Band, aus der später Die Ärzte hervorgehen sollten. Der Film, der am 6. Oktober 1984 im Berliner Front-Kino Premiere feierte und 1985 auf der Berlinale gezeigt wurde, ist ein unverzichtbares Dokument für jeden, der die Geschichte der deutschen Punk- und New-Wave-Szene verstehen möchte.
Zwischen Chaos und Kreativität: Eine Ära der Extreme
Das SO36 war ein Ort der Extreme. Hier konnte es passieren, dass der Maler Martin Kippenberger, der 1979 die Leitung übernahm, einen Brückenschlag zwischen Punk, New Wave und Kunst versuchte, aber an zu hohen Bierpreisen und der legendären „Ratten-Jenny“ scheiterte. Es war ein ständiges Auf und Ab, ein Tanz am Rande des Ruins, aber genau das machte seinen Reiz aus. Die Betreiber gingen pleite, der Club wurde geschlossen, besetzt und immer wieder neu belebt. Diese Widerstandsfähigkeit ist Teil seiner Legende.
Die „Weihnachten mit Heino“-Partys, bei denen Punks an Heiligabend 1981 im SO36 zusammenkamen, um Bands wie Prinz Heinrich und die Engelsärsche oder Soilent Grün zu sehen, sind ein perfektes Beispiel für die schräge, subversive Atmosphäre. Bierbüchsen flogen auf die Bühne, die Stimmung war frustriert und betrunken, bis eine Feuer spuckende Käthe Kruse die Menge für einen Moment besänftigte. Es war ein Ort, an dem sich die Jugend gegen Konventionen auflehnte, an dem die Energie förmlich knisterte und der Ruf nach Freiheit in jedem Akkord mitschwang. Das SO36 war nicht nur ein Club; es war ein politischer Ort, ein kulturelles Epizentrum, an dem DIY-Kultur und soziale Bewegungen zu Hause waren. Demos, Informationsveranstaltungen und Kiezversammlungen fanden hier statt, was seine Rolle als Treffpunkt für soziale Debatten und gelebte Solidarität unterstreicht.
Das SO36 heute – Eine Legende lebt weiter
Auch heute, Jahrzehnte später, ist das SO36 kein Relikt vergangener Tage, sondern ein lebendiger und atmender Teil Berlins. Es hat sich gewandelt, ohne seine Seele zu verlieren. Das Programm ist so vielfältig wie Kreuzberg selbst: von Punk-Konzerten über queere Partys wie Gayhane, Roller Discos und Lesungen bis hin zu Balkan- oder Latin-Nächten. Die Veranstalter legen großen Wert auf diskriminierungsfreies Feiern und inklusives Miteinander. Das Publikum reicht von fünf bis 75 Jahren, und bei der Roller Disco drehen die „Roller Kidz“ ihre Runden, während bei der 80er-Party auch eine 75-Jährige das Tanzbein schwingt.
Das SO36 ist ein Ort, der Generationen verbindet und immer wieder beweist, dass Clubkultur mehr sein kann als nur Musik und Party. Es ist ein lebendiger, inklusiver Ort, der soziale Verantwortung übernimmt und ständig neue Wege findet, Gemeinschaft zu schaffen. Die graffitibedeckten Wände und das schnörkellose Interieur sind ein Zeugnis seiner jahrzehntelangen Geschichte als Bastion des rebellischen Geistes. Für alle, die tiefer in die Geschichte des Clubs eintauchen möchten, bietet unser Artikel SO36: Der pulsierende Herzschlag von Punk und Subkultur in Kreuzberg weitere spannende Einblicke. Und wer sich für die filmische Aufarbeitung dieser Zeit interessiert, findet in Farbe, Film und Freiheit: Die Wiederentdeckung der Punkfilme, Graffiti-Dokus und Untergrundvideos aus Berlins wilden Jahren eine passende Ergänzung.
Fazit
Der Film „So war das S.O. 36“ ist mehr als nur eine Dokumentation; er ist ein Zeitkapsel, die uns direkt in das Herz des West-Berliner Punks der frühen 80er Jahre katapultiert. Er fängt die rohe Energie, die unkonventionelle Kreativität und den unbändigen Freiheitsdrang ein, der das SO36 zu einer Legende machte. Dieser Film und der Club selbst sind untrennbare Teile der Berliner Kulturgeschichte, Zeugen einer Ära, in der Musik, Kunst und politischer Protest untrennbar miteinander verbunden waren. Das SO36 hat sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder neu erfunden, aber der Geist der Rebellion, der Offenheit und der gelebten Subkultur ist geblieben. Es ist ein Ort, der uns daran erinnert, wie wichtig Freiräume für Ausdruck und Gemeinschaft sind, und wie eine einzige Location den Puls einer ganzen Stadt und einer Generation widerspiegeln kann. Die Szenen aus dem SO36, ob im Kino oder live erlebt, bleiben unvergessen und inspirieren bis heute.
FAQ
Was ist „Clubs im Kino: Szenen aus dem SO36“?
Es handelt sich um den Dokumentarfilm „So war das S.O. 36“ von Manfred O. Jelinski und Jörg Buttgereit aus dem Jahr 1984, der das legendäre SO36 in Berlin-Kreuzberg zwischen 1980 und 1984 porträtiert und Konzertausschnitte sowie Interviews enthält.
Wann wurde der Film „So war das S.O. 36“ uraufgeführt?
Der Film feierte seine Uraufführung am 6. Oktober 1984 im Berliner Front-Kino und wurde 1985 auch bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin gezeigt.
Welche Bands sind im Film „So war das S.O. 36“ zu sehen?
Der Film zeigt Auftritte und Szenen mit wichtigen Bands des Berliner Undergrounds der frühen 80er Jahre, darunter Beton Combo, Die Einstürzenden Neubauten, Die Tödliche Doris, Der wahre Heino, Malaria! und Soilent Grün (die spätere Band Die Ärzte).
Warum ist das SO36 so wichtig für die Berliner Subkultur?
Das SO36 wurde in den 80er Jahren zum zentralen Treffpunkt der Punk- und New-Wave-Bewegungen in West-Berlin, zog Künstler und Musiker an und prägte maßgeblich die Entwicklung der deutschen Subkultur. Es war ein Ort der Freiheit, des Protests und der künstlerischen Experimente.
Gibt es das SO36 heute noch?
Ja, das SO36 existiert bis heute in der Oranienstraße in Kreuzberg und ist weiterhin eine aktive und einflussreiche Location für alternative Musik und Gegenkultur, mit einem vielfältigen Programm, das von Konzerten über Partys bis zu kulturellen Veranstaltungen reicht.






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